Wieder zurück in Vigo und kein Wetterfenster für Kurs auf Porto.
Wir verholen uns in die Ria de Baiona und nutzen eine Mooringtonne vor dem Segelclub Baiona.
Strahlend blauer Himmel, kein Wind. Die Wetterlage ist instabil, es erreichen uns Wetterwarnungen über Predict Wind vor einem schweren Orkantief aus NW.
Wir entschließen uns, das Tief in Porto abzuwettern und dabei ganz dicht an der Küste entlangzulaufen, mit den letzten Orcaattacken vor Vigo und Porto im Hinterkopf.
Beim Start in Baiona ist es neblig, keine Sicht auf die Küste, reine Fahrt nach Instrumenten. Wir stochern bei Nebel weiter durch die Flaute, erst am Nachmittag klart es auf, die Flaute bleibt. Um 22:00 Uhr erreichen wir nach 66 sm Motorfahrt Porto. Beim Einlaufen kämpfen wir mit einer hohen Dünung im Bereich der Mole, bedingt durch das Stauwasser im Mündungsbereich des Douros.
Der Douro-Strom setzt stark gegen uns, im Fahrwasser schaffen wir gerade einmal 2 kn über Grund. Um unseren Hafen zu erreichen, müssen wir zunächst weit genug flussaufwärts fahren. Dann drehen wir bei und der Strom versetzt uns direkt ins Hafenbecken der Douro-Marina. Zwei Marina-Mitarbeiter helfen uns beim Anlegen. Geschafft.
Jetzt wettern wir ab. 10 Hafentage mit teils unerträglichem Schwell im Hafen, Sturm, Regen und portugiesischen Unwettermeldungen im Fernsehen. Herbstwetter im Hochsommer ist den Portugiesen suspekt.
Die Wetterlage stabilisiert sich. Wir starten am 28.08.26 nach Porto Santos.
Am Vortag gab es wieder eine Orcaattacke vor Porto.
Mit uns starten zwei Segler, eine Schweizer Swan 56 und eine englische Benetau 38.
Die englische Besatzung wählt den Seeweg dicht unter der Küste bis Lissabon, dann die direkte Kursänderung auf Porto Santos. Wir favorisieren die Strategie des Schweizer Skippers, mit halbem Wind möglichst weit von der Küste rauszufahren und erst ab einer Wassertiefe von 1000 Metern den Kurs auf Porto Santos zu korrigieren.
Die Segel stehen zunächst gut bei halbem Wind, in der Nacht korrigieren wir den Kurs auf Porto Santos bei flauem NW 2-3. Die Segel schlagen, es ist unerträglich. Wir versuchen alles, zum Schluss fahren wir Spinnaker, der uns leidlich nach vorne bringt. Fehler passieren. In der Nacht und bei der starken Dünung habe ich das Spinnakerfall nicht komplett durchgesetzt. Jetzt fische ich am frühen Morgen den Spi aus dem Atlantik und die Delfine schauen mir in die Augen.
Der Wind nimmt kontinuierlich auf NW 3-4 zu, später auf NW 4-5. Eine Vorwindkreuz lässt die Segel stabil stehen und Dünung und Windseen sind erträglich.
Wir halsen viel und bleiben so stabil an der Kante eines Tiefausläufers. Der NW treibt uns nach Porto Santos. Die Insel erreichen wir am 02.09.26 bei NW 5, nach 128 Stunden und 650 sm auf See.
Der Empfang durch die Hafenmeister ist freundlich. Porto Santos ist ein „happy place“.
Die Engländer sind schon einen Tag vor uns angekommen, der Kurs unter der Küste ersparte das weite Hinausfahren auf See, war aber in der aktuellen Orcasituation der riskantere Weg.
„Nothing ventured, nothing gained“… so what.
Standort Porto Santos, 02.09.26
