Wir starten bei NO 2–3 aus Scheveningen. Das schwere Gewitter können wir dort gut abwettern. Geplanter Zielhafen ist Ostende. Die Tide läuft günstig mit, sodass wir die Maas-Junction um die Mittagszeit passieren und Funkdisziplin halten. Die Lotsenstation weist uns die vorgeschriebene Route für Sportboote. Unter Spi erreichen wir Ostende in der Dämmerung und laufen bis ans Ende des Hafens durch. Der Königliche Yachtclub Ostende ist ein empfehlenswerter Übernachtungsplatz; viele Segler nutzen ihn als Ausgangspunkt für einen Besuch in Brügge. Tagesausflüge lassen sich über den Hafenmeister organisieren und lohnen sich.
Bei NE 5 starten wir Richtung Calais. Dort war ich bislang noch nicht; bisher nutzte ich stets Dunkerque als Sprungbrett nach England. Calais von Osten anzulaufen ist für mich jedoch ein deutlicher Zeitfresser: ein Flach muss umfahren werden, und die Einfahrt in den Hafen hängt vom Fährverkehr ab, sie wird von der Harbour-Control geregelt. Bei Starkwind kann das Warten auf die Einlauferlaubnis wegen der wechselnden Tiefen vor dem Hafen schwierig werden. Anschließend liegt man an Moorings, bis sich die Schleusen zum Gasthafen öffnen. Im Vergleich zu Dunkerque ist Calais für mich daher deutlich weniger effizient.
Silvia und Peter funken uns an: sie sind auf der Rückreise von den Azoren und wollen uns an der nordfranzösischen Küste zur Staffelübergabe treffen. Wir planen um, segeln nicht entlang der englischen Küste und laufen bei SO 1–2 nach Boulogne-sur-Mer aus. Dort treffen wir Gabi und Kai Bergfeld vom YC Kattegat. Im Hafen liegen mehrere Yachten auf der Rückreise aus der Karibik. Es ergeben sich gute Gespräche. Besonders wertvolle Tipps für unseren Karibiktörn erhalten wir von Christian Ahrendt, der mit seiner SY Xenia ebenfalls auf dem Rückweg ist.
Flaue Winde sind angesagt, mit Segeln rauf und runter treiben wir nach Dieppe. Das angesagte Gewitter trifft uns erst im Hafen. Glück gehabt.
Den Hafen von Honfleur wollen wir uns nicht entgehen lassen, er gilt als Highlight an der nordfranzösischen Küste. Zunächst laufen wir Le Havre an, wo man in der Regel einen Liegeplatz bekommt. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Die Marina ist zweckmäßig, wirkt aber ebenso farblos wie Le Havre selbst. Als Ausgangspunkt ist Le Havre ideal, um mit passender Tide die Seine hinauf nach Honfleur zu laufen, das über eine vorgelagerte Schleuse tidenunabhängig erreichbar ist.Diese ist rund um die Uhr besetzt. Vor uns legt ein Kreuzfahrtschiff an und entlässt Menschenmassen, die in das kleine historische Küstenstädtchen strömen. Honfleur ist schön, aber von Touristen überlaufen; überall reihen sich Restaurants und Kneipen aneinander. Uns wird es zu viel. Wir verbringen die Zeit lieber auf den Kanalinseln. Barbara und Dirk wollen in St. Malo zusteigen und mit uns entlang der Bretagne segeln. Starke westliche Winde sind angesagt, da drängt die Zeit.
Unser nächstes Ziel ist Cherbourg. Vor einem im Bau befindlichen Windpark zwingt uns die französische Küstenwache zu einer Kursänderung, die den Weg um 20 Seemeilen verlängert. Dadurch verpassen wir den optimalen Tidenstrom, starten bei leichtem Westwind mit 1–2 Beaufort den Motor und kommen gegen die Tide nur mit 2,5 Knoten über Grund voran. Hier ist gegen den Strom kaum anzukommen; erst um Mitternacht legen wir in Cherbourg an. Die große Marina ist bei jedem Wetter gut erreichbar und hält nachts spezielle Liegeplätze für ankommende Yachten bereit. Damit ist Cherbourg ein gut organisierter Übernachtungshafen und zugleich ein unverzichtbarer Zwischenstopp, um am Cap de la Hague die passende Tide zu erwischen. Danach folgen die Races, Seegebiete mit starken Tidenströmen, gegen die Segler kaum ankommen.
Westlich von Cherbourg treffen wir den Tidenstrom optimal und werden mit über 10 Knoten über Grund am Cap de la Hague vorbeigetrieben. Es fühlt sich fast an wie Wildwasserrafting: Die Kraft des Stroms überträgt sich unmittelbar auf das Schiff – sehr beeindruckend. Am Abend erreichen wir die Victoria Marina in St. Peter Port auf Guernsey. Eine Barre sichert im Hafenbecken eine gezeitenunabhängige Tiefe von zwei Metern. Da Wilmas Tiefgang ebenfalls zwei Meter beträgt, warten wir am Ponton auf Hochwasser und passieren die Barre erst bei einem Wasserstand von über vier Metern. Ein- und Ausfahrt werden von den Hafenmeistern geregelt, sie holen uns mit dem Schlauchboot ab und weisen uns einen Liegeplatz zu. Alles ist gut organisiert, auch das Einklarieren, das seit dem Brexit nötig ist, verläuft völlig problemlos. Die erforderlichen Papiere erhalten wir am Warteponton, die ausgefüllten Formulare werden bei der Einfahrt in die Marina vom Schlauchboot eingesammelt – fertig.
Die gleiche Prozedur im Hafen von St.Helier auf Jersey. Über Funk meldet man sich beim Hafenmeister und wartet am Warteponton vor einer Barre. Bei ausreichendem Wasserstand bei Hochwasser dann Passieren der Barre, Schlauchboote und Stegeinweiser führen unser Boot auf einen Liegeplatz, festmachen, einklarieren, alles unproblematisch.
Ich hatte großen Respekt vor den nautischen Besonderheiten der Kanalinseln und dem Einlaufen in St. Malo. Es ist mit disziplinierter Vorbereitung und Berücksichtigung des Wetters absolut machbar, auch für nicht tidenerprobte Ostseesegler.
Auch das Einlaufen in die Häfen St. Malos ist tidenabhängig. Der historische Stadthafen ist über eine große Schleuse erreichbar, die 2 Stunden vor und 2 Stunden nach Hochwasser schleust. Lange Festmacher sind hier bereitzuhalten, die Schleuse ist meist mit 10 bis 15 Sportbooten gefüllt, mit kopflosen Manövern muss gerechnet werden. Vor der Schleuse gibt es Warte-Moorings. Leider waren bei unserem Eintreffen vor der Schleuse in St. Malo alle Mooring-Tonnen belegt. Wir haben mit anderen wartenden Booten vor der Schleuse geankert.
Das Passieren der Barre des nahegelegenen Yachthafens wird durch Lichtsignale geregelt. Der Yachthafen liegt 45 Minuten fußläufig vom historischen Zentrum entfernt.
Der Stadthafen von St. Malo liegt klassisch vor der Stadtmauer und man ist in 5 Minuten hinter den Mauern der Stadt. Die Marina ist trotz Stadtnähe ordentlich und die Sanitäranlagen sauber, eine Empfehlung!
In St. Malo kommen meine Herzdame Barbara und Dirk an Bord. Sie reisen von Hamburg mit dem Flieger nach Paris, weiter mit dem Flieger nach Rennes, ab da mit der Bahn nach St. Malo, der Ort ist für Crewwechsel geeignet.
Standort St. Malo 05.07.26
