Der Yachthafen von Viveiro ist von grünen Bergen umgeben, mehr Charme bietet er nicht. Die Altstadt dagegen entspricht voll unseren Vorstellungen von einem alten galizischen Küstenstädtchen. Wir wandern durch schmale Gassen entlang morbider Bauten und kaufen frisches Gemüse auf dem Markt. Frischen Fisch finden wir leider nicht. Der Schock vom Vortag, die mehrfachen Angriffe von Orcas vor Viveiro, drückt auf die Stimmung. Die Segler im Hafen sind verunsichert, es wird viel diskutiert und lamentiert.
Die meisten wollen abwarten und in der Ria de Viveiro ankern. Wir lernen ein finnisches Pärchen kennen, die auch auf ihrem Törn in die Karibik sind, und tauschen uns aus.
Einen richtigen Plan, wie es weitergehen soll, hat keiner.
Da der Mensch seinem Schicksal nicht entgehen kann, beschließen wir weiter zu segeln. Wir bleiben küstennah und sind für den Ernstfall gerüstet. Eine wasserdichte Notfalltasche ist gepackt, die im Notfall abzusetzenden Funksprüche sind schriftlich festgehalten, und der Wal-Pinger wird konsequent achteraus gefahren. Dirk improvisiert, ganz der geniale Tüftler, wie wir ihn von früheren Törns auf der Wilma kennen und schätzen, und baut aus einer alten Großbaum-Persenning eine Ruderattrappe, die unser Spatenruder bei einer Orcaattacke verdecken soll.
Wir sammeln unseren Mut und fahren küstennah zur nächsten Bucht. Ria de Vicedo zeigt sich landschaftlich reizvoll: grüne Berge, blaues Wasser und kein anderer Ankerlieger. Der Skipper lernt, die Feinheiten der „Navily-Anker-App“ richtig zu deuten. Der Ankerplatz ist wunderschön, bietet aber wenig Schutz vor Nordostwinden und liegt offen zur auslaufenden Atlantikdünung. Es folgt eine sehr unruhige Nacht vor Anker.
In der nächsten Bucht machen wir es besser, man lernt.
In Ria de Cedeira verstecken wir uns hinter einer Landzunge und liegen ruhig und geborgen. Wir bleiben hier und wettern den aufkommenden Starkwind ab, kaufen in dem kleinen Fischerort ein und genießen einfach mal eine galizische Bucht.
So richtig sind wir im Fahrtensegler-Gammelleben noch nicht angekommen. Es zieht uns dann doch weiter und Dirk muss wieder zurück nach Lübeck.
Die Buchten um A Coruña sind unser nächstes Ziel, der Segelverein Sada wurde uns von Peter empfohlen mit den Worten: „Ralf, ist fast wie unser SVT“. Der Segelclub Sada ist bekannt für das Ausrichter vieler Hochseeregatten, hat drei Hafenmeister, eine großzügige Lobby und eine quirlige Messe. Also „fast“ wie unser SVT.
Wir erkunden die Buchten um A Coruña: ankern, schwimmen und Schlauchboot fahren — alles, was man in schönen, belebten Buchten eben macht. Allein sind wir hier allerdings nicht mehr.
Für Dirk endet der Segeltörn mit uns in der Hafenstadt A Coruña. Da die Stadt über einen eigenen Flughafen verfügt, eignet sie sich gut für Crewwechsel.
Reini und ich bleiben ein wenig traurig zurück, aber es gibt ja noch so viel Neues zu entdecken für uns. Hoffentlich entdecken uns keine Orcas.
Bis bald, Eure Wilmacrew
Standort 31.07.2026 A Coruña, Spanien
