Es ist eine schnelle Überfahrt von Gran Canaria nach Fuerteventura. Wir erreichen die Marina Jandia am frühen Abend, hier wird es schnell Nacht, kein Büchsenlicht.

Wir melden uns wie gewohnt über Funk an. Der Hafenmeister erklärt, dass wegen bestehender Reservierungen kein fester Liegeplatz frei ist. Notfalls könne er uns einen Platz für diese Nacht geben, den wir am nächsten Morgen wieder verlassen müssten.

Wir nehmen das Angebot an und erhalten unseren Liegeplatz. Inzwischen ist es stockdunkel, und da die Marina unbeleuchtet ist, müssen wir auf engstem Raum manövrieren.

Der junge Hafenmeister ist plötzlich da, leuchtet mit der Taschenlampe und hilft uns beim Anlegen. Wir bitten ihn an Bord der Wilma und das Eis ist gebrochen. Jetzt haben wir einen netten, äußerst hilfsbereiten jungen Mann vor uns, alle Formalitäten werden an Bord erledigt. Am nächsten Tag sollen wir mit der Frau in der Verwaltung reden, und die könne etwas bewegen. Das kann sie auch am nächsten Morgen: ob wir gleich einen oder zwei Monate bleiben wollen. 

Ich verstehe langsam die Problematik im Hinblick auf die Liegeplatzsituation auf den Kanaren. Segler wie wir, die die Wartezeit auf den Passatwind nutzen und sich die Inseln ansehen wollen, sind die absolute Ausnahme. Das Gros der Segler sucht Liegeplätze für Monate oder einen Dauerliegeplatz, Plätze für wenige Tage gibt es kaum. Diese Situation wird noch verschärft durch die ARC-Regatta. Las Palmas reserviert Plätze für die ARC-Regatta, die ARC-Boote trudeln über Monate ein, machen fest, und die Crews fliegen nach Hause, um dann zum Start der ARC Mitte November wieder in Gran Canaria zu sein. Die Dauerlieger müssen raus aus Las Palmas und verteilen sich dann auf die umliegenden Häfen. Alles scheint dicht. Natürlich wäre Platz möglich, ich denke da an unsere Sommersaison in der dänischen Südsee, aber Beiliegen oder Zusammenrücken sind hier undenkbar. 

Für uns ist die oben beschriebene Situation problematisch, ohne Vorbuchung geht es nicht, Mails werden selten bis gar nicht beantwortet, nur über die Navily-App hat man manchmal Erfolg. 

So suchen wir Liegemöglichkeiten meist über die Navily-App, aber immer mit Blick auf Ankermöglichkeiten in der Nähe der Marinas.  Ankerbuchten gibt es nicht, also haben wir immer die Wetterlage, d.h. Windrichtung und Wellenbild fest im Blick. Mittlerweile sind wir nahezu resistent gegen Schwell. Der berüchtigte Schwell vor Funchal auf Madeira würde uns jetzt nicht mehr stören.

Ich rate Seglern davon ab, die Kanaren in der Zeit von September bis Ende November anzusteuern. Es erfordert hartgesottene, belastbare Crews im Hinblick auf Ankerplätze und die Liegeplatzsituation.

Wir erkunden Fuerteventura. Morro Jable ist ein touristisches Zentrum mit großen Hotelanlagen entlang der weitläufigen Strände. Deutsche Sprache ist hier allgegenwärtig – nun gut. Zu touristisch für mich, wir leihen ein Auto und erkunden die Insel. Diese Idee haben auch andere Touristen, es ist schwierig, ein Mietauto zu bekommen und die große Nachfrage bestimmt den Preis. Irgendwie ergattere ich ein Auto, vermutlich aus Mitleid mit dem Segler, und nach einer Stunde des Suchens entdecke ich das Auto auf einem verwinkelten Parkplatz. Alles egal, wir sind mobil!

Die Insel lebt vom Strand, das Inselinnere ist leer, trocken und wüst. Wir schrauben uns auf Schotterpisten in die Höhe, die Ausblicke sind faszinierend, Wüsten ohne Baum, ohne Strauch. Abwechslung bringen kleine Oasen. Im Süden der Insel reihen sich die Hotelburgen aneinander, die Nordküste zeigt sich weitgehend unerschlossen.

Es zieht uns weiter. Wir segeln die Küste nach Puerto del Rosario entlang, hier kein Funkkontakt, das Hafenbüro ist am Wochenende nicht besetzt, und so schleichen wir in die Marina und entdecken eine Liegemöglichkeit am Ende der Bunkerstation.

Die Seglergemeinschaft empfängt uns sofort. Viele sind erleichtert, für die kommenden Monate einen Liegeplatz gefunden zu haben. Da man nun mehrere Wochen miteinander verbringen wird, folgen prompt die ersten Einladungen. Dass wir bald weitersegeln wollen, sorgt für Überraschung. Nebenbei erfahre ich, dass die zahlreichen Schiffe unter polnischer Flagge an den Stegen in Wirklichkeit spanischen Eignern gehören, die ihre Schiffe ausgeflaggt haben. Die Gründe dafür liegen in der spanischen Politik, die zu erläutern hier jedoch zu weit führen würde.

Puerto del Rosario ist für mich ein Ort, der schnell erkundet ist. Reinhard backt zwischenzeitlich für mich einen Geburtstagskuchen, und wir planen die Weiterfahrt zur gegenüberliegenden Insel Lanzarote. Aber das wird eine neue Reisegeschichte.

Eure Wilmacrew, 

Standort Puerto del Rosario, 18.10.2026