Wir sind verstärkt. In St. Malo steigen Barbara und Dirk zu. Es folgt ein Tag Eingewöhnung auf der Wilma und eine Erkundung der Stadt.
Es folgt ein kurzer Tagestörn entlang der nordbretonischen Küste. Die Marina von St. Cast ist unser Ziel, welches tidenunabhängig anzulaufen ist. Die Marina ist modern, neu und sauber. Sie bietet 1005 Liegeplätze, eine komplette Infrastruktur rund um den Segel- und Motorsport, trotzdem erschlägt uns die Größe nicht. Alles ist harmonisch in die bretonische Landschaft eingepasst, man ist sofort am Strand oder auf dem gut ausgebauten Küstenwanderweg. Der kleine Küstenort ist touristisch, Bäcker und ein kleiner Supermarkt sind vorhanden.
Wir fühlen uns hier wohl.
Dieses Gefühl setzt sich fort, unser nächster Hafen ist St. Quay-Portrieux.
Die Marina wird gerade renoviert, die Sanitäranlagen sind unzureichend. Dafür punktet der kleine Küstenort mit Wochenmarkt, Kaffees und dem typischen Urlaubsambiente.
Hier machen die Franzosen Urlaub und genießen die schönen Sandstrände in der rauen bretonischen Küstenlandschaft.
Die Törns zwischen den Küstenhäfen sind tidenstromabhängig, der Tidenhub beträgt fast 10 Meter, der Tidenkalender ist hier unbedingt der ständige Begleiter.
Es wird viel gerechnet und geplant. So treffen wir den optimalen Absprung in die Mündung des Lé Trieux, laufen mit der Tide an der Île Brehat vorbei, fahren durch ein Gewirr von Felsen, fast wie in den schwedischen Schären. Navigatorisch gibt es keine Probleme, der Wasserweg ist im gesamten Flußverlauf gut betonnt und sicher zu befahren. In Lézardrieux endet die Flußfahrt. Der Hafenmeister weist uns einen Platz zu, am nächsten Morgen müssen wir raus. Barbara erkundet joggend die Umgebung, es gibt nicht viel zu sehen.
Beim nächsten Mal würde ich vor der Île Bréhat ankern: eine schöne Umgebung mit zahlreichen Moorings zum Festmachen. Auf die Flusstour würde ich dann verzichten.
Ein Tief ist angesagt, Hafentage müssen eingeplant werden. Roscoff ist unser nächstes Ziel. Ein steifer NO 4-5, in Böen 6, treibt uns voran. Wir passen unsere Segelgarderobe an und baumen die Fock aus. So laufen wir absolut stabil die Wellenkämme ab. Hier baut sich schnell eine hohe Welle auf, bedingt durch die Gezeiten und die permanente Atlantikdünung.
Vor dem Hafen von Roscoff halsen wir, die Segel bergen wir im Schutz der hohen Mole des Fährhafens vor dem Yachthafen. Bei auflandigem Wind und hohen Wellen ist die Situation in Roscoff für erfahrene Segler gut beherrschbar: Die Mole bietet ausreichend Windschutz, das Hafenbecken ist groß genug zum Kreisen und gibt der Crew Raum und Zeit, das Boot klarzumachen. Die Marina bietet alles rund um den Yachtsport und ist ein bekannter Zwischenstopp für Blauwassersegler. Wir treffen Rückkehrer aus der Karibik sowie Segler, die dorthin aufbrechen wollen, und tauschen Erfahrungen aus.
Ich bin überrascht, dass fast alle Karibikrückkehrer viele Diesel- und Wassertanks an Deck mitführen, gesichert mit Schleusenbrettern an der Reling.
Drei Hafentage in Roscoff, viel Wind und Regen, da kommt keine Hafenromantik auf. Der Yachthafen liegt gut 20 Gehminuten von dem Küstenstädtchen Roscoff entfernt. Der Supermarkt außerhalb des Städtchens ist mit dem Fahrrad erreichbar. Die Fahrräder können unentgeltlich beim Hafenmeisterbüro geliehen werden.
Von Roscoff bis Brest sind es über 70 Seemeilen, dabei ist der Chenal du Four zu passieren, will man nicht einen großen Umweg um Île d`Ouessant segeln. Der Chenal du Four ist wegen seiner Tidenströmung gefürchtet, da die Strömung zeitweise mit über 5 kn setzt. Es kann hier wetterbedingt zu steilen Wellen kommen.
Wir planen einen Zwischenstopp in L’Aber Wrac’h ein. Die einsetzenden Tidenströme haben auch ihr Gutes: Nach Sturmtagen beruhigt sich das Meer schnell, die alte Dünung verschwindet.
Ein wunderbarer Segeltag liegt vor uns, unter Gennaker erleben wir bei NE 3-5 und Tidenströmung mitlaufend eine Rauschefahrt von 35 Seemeilen nach L´Aber Wrach. Auf die Idee, L´Aber Wrach als Zwischenstopp einzuplanen und somit auch die Tide am Chenal du Four optimal zu treffen, sind auch viele andere Segler gekommen. Der Hafen ist zum Bersten voll. Wir liegen eng im Päckchen.
Der Hafen ist nett, aber bei diesem Ansturm hoffnungslos überfordert. Wir schauen am Abend in der Dorfkneipe das Fußball WM-Spiel Frankreich gegen Spanien, da sind die Franzosen dann auch hoffnungslos überfordert. Die Stimmung ist gefasst, vorbildlich wird mit der Niederlage umgegangen. Die Umgebung bietet einen reizvollen Küstenwanderweg. Alles ist hier überschaubar, ein sinnvoller Stopp, will man den Chenal du Four zeitlich optimal passieren.
Der nächste Tag bringt flaue Winde aus wechselnden Richtungen. Wir motoren, um den Tidenstrom durch den Chenal du Four perfekt zu treffen. Der Tide erfasst uns optimal und so laufen wir schon am frühen Nachmittag in Brest ein. Ein Nachmittag reicht uns, um die Stadt anzusehen. Brest hat zwei Marinas, die Marina du Château und die Marina Moulin Blanc. Wir liegen in der Marina du Château, ein reiner Übernachtungshafen, die Stadt kann hier fußläufig erreicht werden. Ein Highlight sind hier nur die alten Segelyachten, liebevoll gepflegt und intensiv gesegelt, aber beim nächsten Mal würde ich die Marina Moulin Blanc wählen, die einen kompletten Yachtservice bietet.
Wir verlassen Brest am nächsten Morgen, es geht nach Camaret-sur-Mer, und wie sagt mein Sohn Finn: Papa, die Städte mit „sur“ in der Mitte sind alle schön in Frankreich. Naja, bei Bolougne-sur-Mer bin ich mir da nicht so sicher.
Standort Brest 15.07.26
