Die Wilmacrew ist wieder komplett. Ich bin ohne Sorgen aus Lübeck zurückgekehrt. Meine Herzdame Barbara ist wieder wohl auf.

Es geht weiter, Reini hat genug von Vigo, Wilma ist marschklar.

Wir verlegen das Schiff nach Baiona in eine der letzten Buchten an der nordspanischen Küste auf unserem Weg gen Süden. Die Liegeplätze im Monte Real Club de Yates de Baiona sind im Vergleich zu unseren bisherigen Häfen recht teuer. Deshalb legen wir an einer Mooring an. Alles verläuft problemlos.

Der Segelclub ist nobel – schon der lange Name spricht für sich. Die Messe bietet gehobene Gastronomie, und ständig sind drei Hafenmeister auf den Stegen unterwegs. Sie helfen bei allen Problemen, auch beim An- und Ablegen der großen Privatyachten.

In Baiona passen wir uns dem spanischen Alltag an. Morgens werden die Lebensmittel für den Tag gekauft, natürlich frisch, dabei wird sehr viel geredet. Nach dieser Anstrengung ein Kaffee, etwas Arbeiten und dann kommt die Nacht, in der das  eigentliche Leben beginnt. Die Kneipen und Restaurants füllen sich bis tief in die Nacht.

Ich erkunde Baiona und den vorgelagerten Festungsbau mit seinen imposanten Mauern, dabei tun sich immer wieder herrliche Blicke auf die Bucht auf.

Abends lassen wir uns treiben und schwingen im Nachtleben mit.

Bärbel hat sehr von diesem Ort geschwärmt. Harald und sie erlebten noch ein ruhiges Baiona auf Ihrer Karibikreise vor genau 30 Jahren. Von dem kleinen verschlafenen Küstenort ist nicht mehr viel übrig, es wurde viel um die alte, gut erhaltene Altstadt gebaut. Heute ist es ein quirliges Städtchen mit vielen Touristen. Da wo es schön ist, ist es auch voll.

Die Wetterprognose ist ernüchternd. In der nächsten Woche ziehen Sturmtiefs von den Azoren auf die portugiesische Küste zu. Eine Weiterfahrt nach Madeira erscheint angesichts der vorhergesagten Wetterlage unmöglich. Deshalb entscheiden wir uns, die Sturmtiefs in Porto abzuwettern. Wie schon gesagt, Hafentage plant man nicht, sie kommen von selbst. Und es gibt schlechtere Orte als Porto, um auf besseres Wetter zu warten.

Wir nutzen die Zeit, erkunden Portos Altstadt und auch die Vororte, dort, wohin sich nur wenige Touristen verirren, da, wo die Einheimischen leben und feiern.

Ein Höhepunkt war für uns eine Portweinverkostung in einer kleinen Privatkellerei. Der Tipp kam von unserer Hafenmeisterin, einer netten alten Dame, also in unserem Alter. Es war die richtige Empfehlung. Zu dritt, Reini, ich und Jonas, junger deutscher Politologe aus Hamburg, wurden wir durch die Weinkeller geführt, erhielten Einblicke in die Portweinherstellung von der Traube, über die Fassreifung bis zur Degustation. Churchill ist ein Familienbetrieb, junges Team, absolut engagiert, der Portwein schmeckte. Wilma schwimmt zwar jetzt nicht im Port, aber ein Paar Flaschen finden sich jetzt sicher verstaut als Ballast. 

Bei der Portverkostung entstanden großartige Gespräche. Spontan luden wir Jonas zum Abendessen auf die Wilma ein – schließlich musste unser Wissen über die Portweinherstellung dringend vertieft werden. Wieder ein schöner Abend an Bord.

Jetzt bereiten wir uns auf die über 600 Seemeilen nach Madeira vor, aber das ist anderer Kurzbericht.

Eure Wilmacrew

Standort Porto, 24.08.26