Nach einem schönen Hafentag in A Coruña mit ausgiebigem Frühstück im Stadthafen, morgentlichem Einkaufstrip zu den Markthallen, einem Espresso in der Altstadt und abendlichem Grillen auf dem Schwimmsteg verlassen wir A Coruña.
Ein Tief aus Nordwest zieht auf. Wir müssen los, wenn wir nicht über eine Woche hier festsitzen wollen. Der noch mäßige Wind aus Nordwest böte ideale Bedingungen zum Kreuzen, doch wir wagen es nicht, die Küste zu verlassen. Die Angst vor einer Orcaattacke ist stets präsent.
Die Wellen sind steil, dazu kommt die stehende Atlantikdünung. Das macht uns mürbe. Wir brechen ab und laufen Malpica an.
Das ist ein quirliger kleiner Fischereihafen, in dem die Fischernetze überall an Land trocknen, es gibt eine Fischauktionshalle, eben aktive Fischerei mit anlandenden und auslaufenden Fischerbooten.
Wir stören nicht, ankern mittenmang im spanischen Fischerleben, mittendrin im Mooringfeld des Hafens, ein Fehler! Beim Ankerlichten verkeilt sich unser Anker im Grundgeschirr der Mooringbojen. Was folgt, ist harte Arbeit. Reini und ich agieren lösungsorientiert gut zusammen, unser Anker kommt frei. „Wer seinen Anker liebt, holt ihn persönlich hoch“. Das Tauchequipment besteht die erste grobe Bewährungsprobe.
Was für eine Plackerei! Wir haben unsere Lektion gelernt, machen an einer Mooring fest und erholen uns. Der Anker bleibt an Deck. Zur Belohnung essen wir in einem einheimischen Restaurant und lassen den Abend satt und feuchtfröhlich ausklingen.
Ich wollte so gern in der Ria de Camariñas ankern, doch die Wetterprognose ist schlecht. Das würde bedeuten, über eine Woche vor Muxía vor Anker zu liegen. Es gibt schlechtere Orte zum Abwettern, aber im November wollen wir auf den Kapverden sein. Die Zeit drängt zwar nicht, doch Hafentage plant man nicht – sie kommen von ganz allein. Also lieber schnell ums Cabo Fisterra und dann mit freier Fahrt und mehr Zeit in die Rías südlich von Fisterra.
Wir passieren das Cabo Fisterra bei viel Welle und alter Dünung. Der Autopilot steigt aus. Zwei Dinge repariert der Blauwassersegler immer, entweder Watermaker oder den Autopiloten.
An Fisterra hatte ich nur gute Erinnerungen, es war 2021 Barbaras und mein Endpunkt unseres Jakobsweges von Porto aus. Es ist ein sehr schöner, noch ursprünglicher kleiner Fischerort, ohne Hotelburgen, mit nur ein paar Pensionen für die Pilger am Endpunkt des Jakobsweges, wenn man ihn von Santiago de Compostela noch verlängert.
Hier ist es nur schön!
Wir reparieren den Autopiloten, steigen tief in die elektronische Menüführung des neuen „KI-optimierten“ Autopiloten, alles unter der telefonischen Anleitung von Herrn Behrens, Mörer-Elektronik. Eine sehr ausführliche Fehleranalyse mit der Diagnose: es muss eine Sicherung sein.
Wo sitzt diese verdammte Sicherung? Jetzt krabbeln wir in die Tiefen unseres Schiffes und verfolgten Kabelbäume. Der entscheidende Tipp kam von Herrn Grell, die richtige Lokalisation erfolgte durch Micha, im live-chat aus der Reha-Klinik in Neustadt zugeschaltet. Sicherung ersetzt, Autopilot läuft. Wieder viel gelernt. Aber ohne den herausragenden Support von Herrn Behrens, Herrn Grell und Micha wären wir verloren gewesen. Danke!
Und dann war da noch die örtliche Tauchschule, die aus 17 Metern Tiefe Reinis Lesebrille wieder an Bord holte. Auch Danke!
Wir erkunden die südlich von Fisterra gelegenen Rias/Buchten und sind begeistert.
Hier kann der Segler Monate verbringen, sich entscheiden zwischen ruhigen Ankerbuchten, weiten Stränden oder quirligen Küstenstädtchen mit lautem Nachtleben.
In Spanien ticken die Uhren anders, das feucht-heiße Klima Nordspaniens verlangt einen eigenen Lebensstil, das Leben läuft sehr ruhig über den Tag und dreht nachts erst so richtig auf.
Eigentlich sollte man immer ein Boot in den Rías liegen haben: perfekte Logistik, viele Werften, Häfen und Buchten – alles, was das Seglerherz begehrt. Ein Seglerparadies, wären da nicht die Orcas, die mit sichtlicher Freude Yachten mit Spatenrudern zerlegen.
Wir laufen Vigo an. Ich muss aus familiären Gründen schnell nach Lübeck. Die Hafenstadt hat einen eigenen Flughafen und ist so perfekt ans europäische Flugnetz angeschlossen. Reini bleibt auf der Wilma.
Es geht weiter, Eure Wilmacrew
Standort 09.08.2026, Vigo, Spanien
