Wir liegen in Honfleur und haben laut Wetterprognose nur ein Zeitfenster von zwei Tagen, um weiter West zu machen. Dann soll wieder stetiger und starker Westwind kommen.

Barbara und Dirk wollen in einer Woche in St. Malo zu uns stoßen, die Zeit wird knapp. Das Seegebiet um Cherbourg ist nautisch anspruchsvoll und bekannt für seinen starken Tidenstrom. Am Cap de la Hague strömt es mit bis zu 4,5 kn über Grund, die daraus resultierenden Races, wie das Alderney Race, sind gefürchtet. 

Der Segler muss auf diese Naturgewalten vorbereitet sein (der Reeds!).

Wir verlassen Honfleur durch die Schleuse, die Zeit drängt, der optimale Tidenstrom soll nicht verpasst werden. Ein freundliches Boot der französischen Küstenwache stoppt uns auf.

Ein Windpark entsteht zwischen Honfleur und Cherbourg. Der Kurs muss nach Süd korrigiert werden und entfernt uns von der idealen Kurslinie. Ein Umweg, der Zeit frisst und uns schnell hinter unser gesetztes Zeitfenster im Hinblick auf Tide und Gezeitenstrom setzt.

Der Wind schläft ein, die Unterwassergenua geht an, und in der Nacht motoren wir mutig gegen den Strom an. Es ist bitterkalt, mit Ölzeug an heißt es durchhalten. Zeitweise machen wir nur 2 kn über Grund. Gegen Mitternacht erreichen wir Cherbourg.

Dieser Yachthafen ist bei jedem Wetter einfach anzulaufen. Die Segel können sicher im großen Vorhafen geborgen und verstaut werden. In der riesigen und zweckmäßigen Marina findet man immer Platz, es gibt für die Yachten, die tief in der Nacht ankommen, Wartepontons. Alles unproblematisch. Der Hafen bietet alles, was der Segler braucht, nur kein Ambiente. Ein sicherer Übernachtungsstopp. Man hat Zeit, sich für die kommenden nautischen Besonderheiten dieses Seegebietes vorzubereiten, Vorbereitung erscheint mir hier existentiell.

Wir wählen den für uns optimalen Zeitpunkt Cherbourg zu verlassen. Der Tidenstrom von über 4 kn und der mäßige halbe Wind aus Nord treiben uns um das Cap de la Hague und durch das Alderney Race. Wir erreichen St. Peter Port auf Guernsey, warten vor dem Sill und liegen am frühen Abend sicher in der Victoria Marina.

Zuletzt war ich 2015 hier. Es hat sich nichts verändert. St. Peter ist nett anzuschauen. Die Menschen hier sind entspannt. Es gibt frischen Fisch mit Salat, Sterneküche auf der Wilma dank Reinhard.

Hier kann man Tage verbringen, manche Segler hängen hier Wochen ab.

Uns zieht es weiter, unsere nächsten Gäste werden in St. Malo zusteigen. Das ist eigentlich ein kurzer Tripp von rund 70 Meilen, aber im Hinblick auf die einsetzende Tide und den damit verbundenen gewaltigen Tidenstrom, bei einem Tidenhub von 10 Metern, gibt es enge Zeitfenster, die unbedingt einzuhalten sind. Da ist kein Raum für Spielerein, die wir uns auf der Ostsee leisten können. 

Der Plan ist, einen Zwischenstopp auf der Insel Jersey einzulegen.

Für mich war es ein toller Ritt nach Jersey, bei halbem Wind, auslaufender Atlantikdünung und mitlaufendem Strom. Alles passte, auch die Wartezeit vor dem Sill im Yachthafen in St. Helier. Die Marina in St. Helier auf Jersey ist einfach klasse und super organisiert. Kurz um, es ist perfekt. 

Wir erkunden St. Helier. Ich bin sehr überrascht, dass es hier viele kleine, gut sortierte Geschäfte gibt.  So ist es eine Freude durch die Stadt zu schlendern, vorbei an Kaffees, Eisdielen und der Markthalle. Für den Meisterkoch Reinhard das wahre Paradies. Ja, Pubs gibt es auch.

Am Nachmittag zum Strand, der rund 200 Meter von der Marina beginnt und die ganze Bucht von St. Helier ausfüllt. Ein Joggingparadies für Barbara, aber die kommt ja erst in St. Malo an Bord.

Jetzt verlassen wir Jersey, schade, war sehr schön dort und ist eine Empfehlung. Wir segeln nach St. Malo und freuen uns auf meine Herzdame Barbara und meinen Freund/unseren SVT-Segelwart Dirk. 

Bis bald! Ralf