Kein optimales Segelwetter, mal überhaupt kein Wind, mal zu wenig Wind, viele Gewitter und dann die typischen Abhängigkeiten eines Tidengewässers.
Der Tidenstrom macht uns zu schaffen. Bei einem Tidenhub von fast 8 Metern strömt es, gewaltig, mal gegen uns, mal mit uns. Die Häfen liegen durchschnittlich 70 Seemeilen von einander entfernt, da strömt es immer irgendwann gegen uns. Zielpunkte müssen rechtzeitig erreicht sein, ein Trödeln auf See macht den Segler schnell zum Opfer des Tidenstroms, der dann gegen den Segler strömt.
Also muss oft der Motor helfen.
Vorbereitung ist dabei alles, der Reeds ist unser ständiger Begleiter.
Vergleiche ich die englische Kanalküste mit der nordfranzösischen Kanalküste, beide Küstenabschnitte kenne ich gut von den Segeltörns in den Jahren davor, würde ich immer wieder die englische Küste bevorzugen, um die Kanalinseln zu erreichen.
Der englische Kanalabschnitt hat Vorteile in Hinblick auf die Tidenstromdiagramme und die Distanz zwischen den Häfen. So ist der Skipper der Wilma jetzt schlecht gelaunt, von seinem Plan abgewichen zu sein, entlang der englischen Küste zu segeln.
Unseren Plan hatten wir spontan geändert, um Silvia und Peter (SY Stella Nova) auf ihrer Rückreise zu treffen. Das habe sie nun abgesagt, dann ist das so.
Wir nehmen jetzt Kurs auf Cherbourg. Cherbourg ist immer etwas problematisch im Hinblick auf die Tidenströme. Bekannt sind der Pte.de Barfleur, Cap Levi und Cap de la Hague, dann nur noch durch das Alderney Race, alles bekommt der Segler nie hin, unter den Gesichtspunkten der optimalen Strömung. Wir mussten schon bitteres Lehrgeld im Alderney Race zahlen.
Diesen Weg von Ost nach West zu bestreiten ist im Hinblick auf den langen Anmarsch von Le Havre nie optimal zu planen. Der Tidenstrom setzt irgendwann immer gegen den Segler, und an den oben genannten Punkten steht er heftig gegen dich.
Das Windzeitfenster muss für den westgehenden Segler einfach passen. Hier ist nichts zu erzwingen.
Der Anmarschwinkel von Weymouth erscheint da deutlich entspannter.
Wir werden jetzt von Honfleur starten, flaue und wechselnde Winde sind vorhergesagt, zuerst gegen und dann mit dem Strom Kurs auf Cherbourg halten.
Dieppe war einen Stopp wert, eine nette Stadt mit diesem speziellen französischen Charm.
Le Havre ist für mich der Übernachtungsspot, der Hafen ist unproblematisch anzulaufen.
Honfleur, ja sehr nett anzuschauen, maximal touristisch. Was für eine Restaurant- und Kneipendichte und alles voller Menschen. Das Einlaufen ist tidenabhängig. Ist man im Hafen, liegt man sicher und geschützt.
Wir haben das Vieux Bassin vermieden, mitten im Touristengewusel, für uns ist das nichts, dann lieber am Gästeponton vor dem Vieux Bassin.
Und immer ergeben sich nette Bekanntschaften. Heute war es eine Gruppe von acht Segelyachten aus Portsmouth, wir sind eingeladen, wenigstens im Biertrinken schlägt uns keiner. Nächste Woche spielen wir gegen wen auch immer bei der WM in USA, hoffentlich sind wir dann aus der Schusslinie, auf den Kanalinseln wird alles gut.
Wir freuen uns auf Barbara und Dirk. Natürlich ich, ganz besonders auf Barbara…, beide steigen in St. Malo zu. Dann sind wir zu viert und die verdammten Tidenströme können uns mal.
Bis bald
Ralf
